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Über die Edition Silent Industry Nach der polnischen Wende 1989 wurden die unrentablen Betriebe mit ihren überalteten Anlagen geschlossen. Der Strukturwandel, der im Ruhrgebiet über Jahre andauerte, vollzog sich hier fast über Nacht. So, dass man eher von einem Strukturbruch sprechen muss, der keine postindustrielle, sondern eine deindustrialisierte Landschaft hinterlassen hat.
Die entfunktionalisierten Orte, die die sterbenden Bergbau- und Stahlbetriebe hinterlassen haben, sind nicht nur ein Beweis für das Ende der industriellen Arbeit in dieser Region. Sie sind gleichzeitig verwunschene, mythisch anmutende Landschaften, die Raum für ästhetische Erfahrungen bieten. Bahngleise, die ins Nirgendwo führen, brennende Halden und idyllisch anmutende Restseen. Inmitten dieser verwunschenen, kulissenhaften Architektur des Zerfalls, entstehen provisorische Unterkünfte, die an südamerikanische Favelas erinnern und von einer Art „Arbeiterguerilla“ genutzt werden, die sich darauf spezialisiert, die Überreste der sterbenden Industrie zu sammeln und neu zu verwerten. Diese notdürftig errichteten Bauten, die oft über Nacht verschwinden und an einer anderen Stelle errichtet werden, symbolisieren für mich den schon erwähnten Strukturbruch, aber auch den sich vollziehenden Wandel in dieser Region auf eine geradezu absurde Art und Weise.
Silent Industry wurde bereits im Rahmen des Projektes „Last & Lost - Bilder eines verschwindenden Europas“ des Literaturhauses München und der Kulturstiftung des Bundes gezeigt. Das gleichnamige Buch erschien im April 2006 im Suhrkamp Verlag Frankfurt. Im Herbst 2007 erscheint es in dem schweizer Verlag Les Éditions Noir Sur Blanc, Lausanne. |